Klima

Moorböden stellen mit 1.300 bis 2.400 Millionen Tonnen Kohlenstoff den größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher Deutschlands dar [1,2]. Die Moorböden sind seit der letzten Eiszeit aus torfbildenden Pflanzen (Torfmoose, Seggen, Schilf und andere) unter anaeroben Verhältnissen entstanden. Bei der Torfbildung wird Kohlendioxid (CO2) langfristig der Atmosphäre entzogen. Ein Teil des Kohlenstoffs wird als Methan (CH4) wieder freigesetzt. Im Hinblick auf die Treibhausgaswirkung gleichen sich die CO2-Senke und CH4-Quelle weitgehend aus. Naturnahe Moore sind weitgehend klimaneutral bzw. lediglich eine kleine Netto-Treibhausgasquelle und bewirken bei längerfristiger Betrachtung eher eine Abkühlung der Atmosphäre [3]. Werden Moore für eine land- oder forstwirtschaftliche Nutzung entwässert, gelangt Sauerstoff in den zuvor wassergesättigten Torf, was zu einer mikrobiellen Freisetzung von Kohlendioxid führt. Dieser Prozess wird auch als Torfzehrung oder Torfschwund bezeichnet. Entwässerte Moorböden sind Hotspots für Treibhausgase, insbesondere CO2 und das sehr starke Treibhausgas Lachgas (N2O). Entwässerungsgräben können eine starke CH4-Quelle darstellen [4]. Die Wirkung von Moorböden als Senke und Quelle von Treibhausgasen verdeutlicht diese Abbildung:

 

 

Schematische Darstellung der Wirkung von Moorböden als Senke und Quelle von Treibhausgasen im naturnahen Zustand (links) und im entwässerten Zustand (rechts) (© A. Freibauer, B. Tiemeyer)

 

In Deutschland sind mehr als 95 % der Moorböden entwässert, vorwiegend für Land- und Forstwirtschaft. Auf ca. 5 % der Fläche Deutschlands führt dies zu einer Freisetzung von 47 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten bzw. 4-5 % der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen, was in etwa dem jährlichen Flugverkehr in Deutschland entspricht [5]. Das technische Minderungspotenzial wird auf 35 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente geschätzt [1].

 

Die gesellschaftlichen Schadkosten entwässerter Moore liegen deutlich über dem privatwirtschaftlichen Nutzen [5]. Die Anhebung der Wasserstände in entwässerten Mooren ist in Bezug auf CO2-Vermeidungskosten und Flächeneffizienz eine der wirksamsten Klimaschutzmaßnahmen der deutschen Land- und Forstwirtschaft [6, 7, 8, 9].

[1] Freibauer, A., Drösler, M., Gensior, A. & E.D. Schulze, 2009. Das Potenzial von Wäldern und Mooren für den Klimaschutz in Deutschland auf globaler Ebene. Natur und Landschaft 84 (1): 20-25.

[2] Roßkopf, N., Fell, H. & J. Zeitz, 2015. Organic soils in Germany, their distribution and carbon stocks. Catena 133: 157–170. [link]

[3] Frolking, S. & N. Roulet, 2007. Holocene radiative forcing impact of northern peatland carbon accumulation and methane emissions. Global Change Biology 13: 1079-1088. [link]

[4] Vermaat, J. E., Hellmann, F., Dias, A.T.C., Hoorens, B., van Logtestijn, S.P. & R. Aerts, 2011. Greenhouse Gas Fluxes from Dutch Peatland Water Bodies: Importance of the Surrounding Landscape. Wetlands 31:493–498. [link]

[5] Umweltbundesamt (Hrsg.), 2014. Nationaler Inventarbericht zum Deutschen Treibhausgasinventar 1990 – 2012 Berichterstattung unter der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und dem Kyoto-Protokoll 2014. Climate Change Nr. 24/2014. [pdf]

[6] Bonn, A., Berghöfer, A., Couwenberg, J., Drösler, M., Jensen, R., Kantelhardt, J., Luthardt, V., Permana, I. G., Röder, N., Schaller, L., Schweppe-Kraft, B., Tanneberger, F., Trepel, M., Wichmann, S., Schäfer, A. & F. Grützmacher, 2014. Klimaschutz durch Wiedervernässung von kohlenstoffreichen Böden. In: Naturkapital und Klimapolitik: Synergien und Konflikte; Kurzbericht für Entscheidungsträger. Technische Universität Berlin, pp 124-147. [pdf]

[7] Röder, N. & F. Grützmacher, 2012. Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Mooren - Vermeidungskosten und Anpassungsbedarf. Natur und Landschaft 87(2): 56-61.

[8] Drösler, M., Adelmann, W., Augustin, J., Bergman, L., Beyer, C., Chojnicki, B., Förster, C., Freibauer, A., Giebels, M., Görlitz, S., Höper, H., Kantelhardt, J., Liebersbach, H., Hahn-Schöfl, M., Minke, M., Petschow, U., Pfadenhauer, J., Schaller, L., Schägner, J.P., Sommer, M., Thuille, A. & M. Wehrhan, 2013. Klimaschutz durch Moorschutz: Schlussbericht des Vorhabens "Klimaschutz - Moorschutzstrategien" 2006-2010. Technische Universität München. [pdf]

[9] Schaller, L., 2015. Landwirtschaftliche Nutzung von Moorflächen in Deutschland – Sozioökonomische Aspekte einer klimaschonenden Bewirtschaftung, Dissertation an der Technischen Universität München. [pdf]